In der Gemeinde Hainspitz wird sich seit mehren Generationen
die folgende Sage erzählt:


Die Nebelfrau von Hainspitz

 

Von Zeit zu Zeit, vor allem im Herbst und bei Nebelwetter, sieht man
eine nebelhafte Frauengestalt vom Hainspitzer Teich zum Eckstein am
ehemaligen Rittergut schweben. Das ist der Geist einer unglücklichen Ritterstochter,
die sich einmal im Teich ertränkt haben soll und bis heute keine Ruhe gefunden hat. Vor langer Zeit bewohnten ein hartherziger Ritter, seine Frau und
seine zartfühlende Tochter die alte Wasserburg in Hainspitz. Die Tochter war
ein bildschönes Mädchen. Der Ritter hatte sie einem Zechkumpanen versprochen.
Dieser war aber schon etwas älter und gefiel den Mädchen gar nicht.

Der Ritter achtete streng auf seine Tochter.
Sie durfte die Burg nicht verlassen und nur innerhalb des Walls spazieren gehen.
Als sie einmal wieder über die Burg spazierte und sehnsüchtig über den Wall
nach draussen blickte, hörte sie plötzlich Harfenspiel herüberklingen.
Die Ritterstochter sah einen hübschen jungen Mann stehen, der sie freundlich grüßte und weiter auf seiner Harfe spielte. Von diesem Tag an
sahen sich das Mädchen und der Harfenspieler häufiger und fanden immer
mehr Gefallen aneinander.

Doch sie konnten nicht zusammenkommen.

Eines Tages, als der alte Ritter einmal die Burg verlassen hatte,
gelang es dem Mädchen jedoch, die Schlüssel für die Zugbrücke an sich
zu bringen. Geschwind ließ sie die Brücke herunter und
lagen sich das Mädchen und der Harfenspieler wenige Augenblicke
später in den Armen. Von nun an nutze die Ritterstochter jede sich
bietende Gelegenheit, um heimlich mit ihrem Geliebten zusammenzutreffen. Es dauerte jedoch nicht lang, bis der alte Ritter von der heimlichen Liebschaft
erfuhr und die beiden überraschte.
Von diesem Tag an durfte das Mädchen überhaupt nicht mehr hinaus, so dass ihr selbst der Blick vom Burgwall versagt blieb.
Da fiel sie in Trübsinn.
Doch der alte Ritter ordnete bald die Hochzeit mit dem vom
ihm bestimmten Bräutigam an. Am Vorabend der Hochzeit veranstaltete
der alte Ritter mit dem von seiner Tochter ungeliebten Bräutigam
ein wüstes Gelage. Als zur späten Nacht alle Ritter betrunken waren,
floh das Mädchen von der Burg. Da es keinesfalls die Frau des Zechkumpanen
des Vaters werden wollte und keinen Ausweg wusste, stürtze es sich in
seiner Verzweiflung in den Teich. Dort wird das unglückliche Mädchen
bis heute zuweilen als Gespenst gesehen.

 

nach: Der Hexentaler - Sagen und ausgewählte Begebenheiten
aus dem Saale- Holzland- Kreis-; Jenzig Verlag